| Nahostsynode: Altsyrische Kirchen formulieren hohe Erwartungen |
|
|
|
| News - News |
| Geschrieben von: Mathus Eilia |
| Donnerstag, 24. Juni 2010 um 20:02 Uhr |
|
Wien - Mit hohen Erwartungen blicken die Kirchen altsyrischer Tradition der im Oktober bevorstehenden Nahostsynode entgegen. Das war der Tenor des "Forum Syriacum", einer hochrangig besetzten und von der Wiener Stiftung "Pro Oriente" organisierten Ökumene-Tagung, die unlängst im irakisch-kurdischen Sulaimaniyah stattfand. Geleitet wurde die Tagung, die sich bewusst als Studientagung zur Vorbereitung auf die vom 10. bis 24. Oktober im Vatikan stattfindende Nahostsynode verstand, vom Salzburger Kirchenhistoriker und Ökumene-Experten, Prof. Dietmar Winkler, der an der Entstehung des gestern veröffentlichen "Instrumentum laboris" zur Nahostsynode mitgewirkt hat. Teilnehmer waren die Spitzenvertreter der Assyrischen Kirche des Ostens, der Apostolischen Kirche des Ostens, der syrisch-orthodoxen, der chaldäisch-katholischen, der maronitischen, der syrisch-katholischen sowie der syro-malabarischen Kirche. Wie Prof. Winkler im Gespräch mit "Kathpress" unterstrich, richten sich die Hoffnungen der Teilnehmer zum einen darauf, dass die Synode die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit stärker auf die drängenden Probleme der Christen im Nahen Osten lenken möge; zum anderen wurde im Abschluss-Kommunique der dringende Wunsch formuliert, dass die orthodoxen Kirchen nicht nur als Beobachter, sondern als aktive Teilnehmer am synodalen Prozess teilnehmen sollten. Eine solche Einbindung sollte im Idealfall laut Winkler auch den anderen, beim "Pro Oriente"-Forum nicht vertretenen christlichen Kirchen - den Kirchen armenischer und koptischer Tradition - widerfahren. Dieser Wunsch sei, so Prof. Winkler, nicht zuletzt der besonderen ökumenischen Situation im Nahen Osten geschuldet: So gebe es seit jeher eine enge Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen - nicht nur der katholischen -, da die Herausforderungen für alle die gleichen seien. "Christlich Denken bedeutet im Nahen Osten ökumenisch zu denken", so Prof. Winkler. Im Abschluss-Kommunique weisen die Kirchen altsyrischer Tradition entsprechend auf die Notwendigkeit weiterer gemeinsamer Arbeit und Akzente in der Caritas, der Pastoral sowie in der Bildungsarbeit hin. So heißt es etwa, dass die "gemeinsame Zeugenschaft" eine "Form der Communio" darstelle, die sich in Form neuer Initiativen niederschlagen soll, etwa in gemeinsamen christlichen Schulbüchern, einem gemeinsamen christlichen Curriculum und gemeinsamen karitativen Initiativen. Es würde den christlichen Kirchen des Ostens gut tun, so Winkler, durch solche gemeinsamen Akzente stärker "mit einer Stimme zu sprechen". Christen und Muslime: "Gemeinsame Strategien" Im Blick auf die Herausforderung christlicher Existenz in einem weitgehend islamischen Umfeld unterstreicht das Kommunique die "lange Geschichte der Koexistenz" von Christen und Muslimen im Nahen Osten. Christen und Muslime seien gleichermaßen aufgefordert, "gemeinsame Strategien" als Antwort auf einen politisierten Islam zu entwickeln, so etwa durch gemeinsame Studien, gemeinsames Lesen der Heiligen Schriften oder regelmäßige interreligiöse Treffen auf allen Ebenen. Auch im Blick auf den interreligiösen Dialog mit dem Islam sei Bildung der Schlüssel, so Winkler, der beispielsweise die Entwicklung neuer Religionsbücher fordert, die die Religion des jeweils anderen unpolemisch und nüchtern darstellen. Ausdrücklich warnte Winkler indes vor einer zu starken Simplifizierung bei der Einschätzung der Situation der Christen im Nahen Osten. So biete allein schon der Nordirak ein ganzes Kaleidoskop an Erfahrungen - von friedlicher Koexistenz etwa in Sulaimaniyah bis hin zu einer extremen Verfolgungssituation etwa in der Region um Mossul. Insgesamt bewertet Winkler den angestoßenen synodalen Prozess als "sehr positives Beispiel großer diskursiver Offenheit". Von Beginn an habe der Vatikan - etwa durch die Publikation der "Lineamenta" auch im Internet - auf größtmögliche Offenheit gesetzt und die Adressaten um Anmerkungen und Rückmeldung gebeten - eine Bitte, der mit rund 300 Seiten Anmerkungen auch rege Folge geleistet wurde. Das nun publizierte "Instrumentum laboris" sei in der Folge inhaltlich "sehr substanziell" geworden, so Winkler. Ein Problem ortet Winkler indes bei den Ortskirchen selbst: So offen der Vatikan den Prozess gestalte, so fraglich sei die konkrete Umsetzung der Synodenbeschlüsse in den Ortskirchen. "Instrumentum laboris" würdigt "Pro Oriente" Papst Benedikt XVI. hatte am Sonntag zum Abschluss seiner Zypernreise das Arbeitspapier für die Bischofssynode über den Nahen Osten vorgestellt. Nach einer feierlichen Messe im Sportpalast von Nikosia mit rund 5.000 Gläubigen teilte er das rund 40-seitige Dokument an die anwesenden Patriarchen und Bischöfe aus dem Nahen Osten aus. In dem Dokument geht es um die Hilfe für die Christen im Nahen Osten, den interreligiöse Dialog mit Muslimen und Juden, den palästinensisch-israelische Konflikt sowie die Ökumene mit den Ostkirchen. Namentlich gewürdigt wird in dem Dokument ausdrücklich die Arbeit der Stiftung "Pro Oriente". So heißt es in dem Kapitel über den Ökumenismus, dass der ökumenische Dialog auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet: neben dem offiziellen Dialog wird "Pro Oriente" exemplarisch als Beispiel für einen sehr erfolgreichen Dialog auf nicht-offizieller Ebene genannt.
Quelle: ProOriente / Kathweb |
| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 24. Juni 2010 um 20:09 Uhr |




Keine Werbung!
Keine Schimpfwörter und kein Rassismus!
Trotzdem viel Spaß beim Kommentieren. =)